Remarks on Turkish interrogative complement clauses and verb subcategorization
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Zusammenfassung Dieses Kapitel untersucht die Interpretationen von interrogativen Komplementsätzen im Türkischen, wobei der Schwerpunkt auf eingebetteten W-Wörtern (wh-words) liegt. Verben wie unut- (vergessen) und hatırla- (sich erinnern) bilden kein interrogatives Umfeld für eingebettete W-Wörter, weshalb diese eine nicht-interrogative Funktion aufweisen. Interessanterweise können diese beiden Verben jedoch sowohl eine interrogative als auch eine indefinite Lesart (reading) hervorbringen. Dagegen lizenzieren san- (annehmen) und şüphelen- (vermuten) – ähnlich wie desiderative und jussive Verben – kein eingebettetes W-Wort in ihren Komplementsätzen. Im Gegensatz dazu führen düşün- (denken), karar ver- (entscheiden) und anla- (verstehen) zu ambigen Lesarten für eingebettete W-Wörter. Darüber hinaus können die eingebetteten W-Wörter in Komplementsätzen von sor- (fragen) und merak et- (sich wundern) im Türkischen – abweichend von ihren englischen Entsprechungen – unterschiedliche Skopusverhältnisse (scopes) annehmen, obgleich ihre Interpretation stets interrogativ bleibt. Die empirische Evidenz deutet darauf hin, dass die Interpretationen von W-Wörtern maßgeblich von ihren Einbettungsumgebungen abhängen. Dies legt eine theoretische Neubewertung des Rahmens der Verbsubkategorisierung nahe, basierend auf der Beobachtung, dass W-Wörter nicht durchgehend interrogativ, sondern unter bestimmten Bedingungen auch indefinit sind (Kratzer & Shimoyama, 2002). Das Problem ist im Kern an der Schnittstelle zwischen Syntax und Semantik (syntax-semantics interface) angesiedelt. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es hinsichtlich des Verhaltens gegenüber der Interpretation eingebetteter W-Wörter drei distinkte Verbklassen gibt.
Schlüsselwörter: Türkisch; Verbsubkategorisierung; W-Wörter; interrogative Komplementsätze; Syntax-Semantik-Schnittstelle
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