Morphological processing of Turkish derived words: Does bilingualism affect the processing route?
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Zusammenfassung Es wird in der Literatur angenommen, dass Muttersprachler im Zuge des Erwerbs hoher Kompetenzen in einer Zweitsprache abweichende Verarbeitungsmuster in ihrer Erstsprache entwickeln können. Während die meisten Studien mit Herkunftssprechern (heritage speakers) durchgeführt werden, deren Erstsprache in der jeweiligen Gesellschaft eine Minderheitensprache darstellt, sind Untersuchungen, die die Erstsprache als Mehrheitssprache in den Blick nehmen, nach wie vor selten. Diese Studien haben gezeigt, dass eine hohe Zweitsprachkompetenz die Verarbeitung der Erstsprache selbst in einem Kontext beeinflussen kann, in dem diese die Mehrheitssprache bildet (van Hell & Dijkstra, 2002; Uygun & Gürel, 2020). Die vorliegende Studie zielt darauf ab, zu untersuchen, wie hochkompetente späte Türkisch-Englisch-Bilinguale abgeleitete türkische Wörter verarbeiten. Hierzu wurden 61 monolinguale türkische Sprecher und 46 hochkompetente späte Türkisch-Englisch-Bilinguale in einem maskierten Priming-Experiment (masked priming) getestet. Die Stimuli bestanden aus (i) transparenten Wörtern (dalga „Welle“, dal „tauchen“, wobei -ga das Derivationssuffix ist), (ii) opaken Wörtern (karga „Krähe“, kar „Schnee“, wobei -ga jedoch nicht als Derivationssuffix fungiert) und (iii) Form-/Kontrollwörtern (devre „Periode“, dev „Riese“, wobei -re kein existierendes Derivationssuffix darstellt). Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Gruppenunterschiede bei der morphologischen Verarbeitung der abgeleiteten türkischen Wörter. Während sowohl monolinguale als auch bilinguale Sprecher bei transparenten und opaken Wörtern eine Dekomposition anwandten, konnte bei den Form-/Kontrollwörtern kein morphologisches Parsing (morphological parsing) beobachtet werden. Diese Befunde deuten darauf hin, dass nicht nur monolinguale, sondern auch bilinguale Sprecher abgeleitete Wörter ungeachtet ihrer Transparenz dekomponieren. Dies lässt darauf schließen, dass eine hohe Zweitsprachkompetenz den morphologischen Verarbeitungsweg der Erstsprache nicht beeinträchtigt.
Schlüsselwörter: türkische Derivation; morphologische Verarbeitung; semantische Transparenz; Erstsprache; hochkompetente späte Bilinguale
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